admin@haus-wildfang.wp/ Juni 5, 2018/ Allgemein/ 0Kommentare

Die neue Einrichtung der Wildfang GmbH in der Rekumer Straße 12 wird voraussichtlich noch vor Weihnachten ihren Betrieb aufnehmen.

Die Wildfang GmbH aus Bothel eröffnet in Bremen Nord eine neue Einrichtung für Jungen im Alter von 12 bis 16 Jahren. Tagesstrukturen, Bildung, Beschäftigung und Sport sind Schwerpunkte des Konzepts.

Es kann durchaus sein, dass plötzlich noch vor Weihnachten die Situation in einer Familie eskaliert und das Kind ganz schnell eine Unterkunft braucht. Dann kann das Jugendamt auf die neue Einrichtung der Wildfang GmbH in der Rekumer Straße 12 zurückgreifen. Die Betriebserlaubnis steht zwar noch aus, eine Begehung der Behörden erfolgt an diesem Montag. Wildfang-Geschäftsführer Dirk Precht ist aber zuversichtlich: „Wir werden es vor Weihnachten schaffen.“ Das heißt: Die Jugendhilfeeinrichtung aus Bothel wird Jungen im Alter von 12 bis 16 Jahren ein „Zuhause auf Zeit“ bieten, mit Strukturen, mit Bezugspersonen, mit Bildung und in Zusammenarbeit mit Daniel Magei, der das Projekt Hood-Training entwickelt hat, um Kindern aus schwierigen Verhältnissen beizubringen, dass Konflikte auch friedlich gelöst werden können.

Die Wildfang GmbH hat ihren Hauptsitz in Bothel bei Rotenburg. Dort betreibt sie seit 1977 ein Kinderheim. Die Jugendhilfeeinrichtung hat aber auch Einrichtungen, sozialpädagogisch betreute Lebensgemeinschaften und Wohngruppen in Niedersachsen und drei weiteren Bundesländern und betreut Jugendliche in Rumänien und Polen. Bremen-Nord, sprich das Gebäude Rekumer Straße 12, ist nun ein „neuer Abschnitt“ für die Wildfang GmbH wie Geschäftsführer Dirk Precht es ausdrückt.

Das liege unter anderem daran, dass viele Bremer Jugendliche, die außerhalb Bremens in einer Einrichtung untergebracht worden sind, irgendwann wieder zurück möchten. Dann wiederum will das Land Bremen – wie berichtet – das Jugendhilfesystem ausbauen und in allen Stadtteilen Betreuungs-Einrichtungen für Kinder und Jugendliche schaffen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht mehr zu Hause bei ihren Eltern wohnen können.

Bisher musste die Stadt in problematischen Situationen Jugendliche außerhalb von Bremen unterbringen, wie der Sprecher der Sozialsenatorin es gegenüber unserer Zeitung erläutert hatte. Es habe bisher nur 300 Plätze gegeben. 1000 sollen es aber in Zukunft sein. „Auch das spielt eine Rolle“, bestätigt Dirk Precht den Hintergrund, weshalb der Jugendhilfe-Träger nun auch in Bremen Einrichtungen aufbaut. Precht, ehemals Gesellschafter bei der inzwischen insolventen Kannenberg-Akademie, er stieg nach seinen Angaben 2016 aus, kennt das Gebäude Rekumer Straße 12 und die Gegebenheiten in der Umgebung genau. Bekanntlich wurden hier straffällig gewordene minderjährige Flüchtlinge untergebracht und intensivpädagogisch nach dem Kannenberg-Konzept betreut. „Ich war damals dabei, habe das Haus auch mitrenoviert und dort auch gearbeitet“, erzählt Precht.

Vor einem Jahr habe die Wildfang GmbH das Gebäude gekauft. Es hätte zwar so für die Nutzung als Jugendeinrichtung übernommen werden können, laut Precht war es in einem guten Zustand. Dennoch wurde seit Anfang November renoviert. „Wir wollen ein schönes Zuhause bieten“, sagt Precht. Also wurde neu tapeziert und noch allerlei mehr getan, um es für den Neubezug „schön herzurichten“ .Auf Tagesstrukturen, Regeln, Sport und Beschäftigung basierte das Konzept des ehemaligen Profi-Boxers Kannenberg. Ähnlich agiert der neue Träger. „Wir legen aber mehr Wert auf Schule und Beschäftigung“, sagt Precht. Die Jungen, die künftig in Rekum rund um die Uhr von Sozialpädagogen, Psychologen, und Erziehern betreut werden, fünf Betreuer an der Zahl, weiteres Fachpersonal wird noch gesucht, sind noch nicht bekannt. Wie eingangs beschrieben kann eine Zuweisung durch das Jugendamt ad hoc passieren. Precht geht davon aus, dass es sich vor allem um Schulverweigerer handelt.

Ursache und Gründe, weshalb Kinder und Jugendliche nicht zur Schule gehen, aus der Spur geraten, sich auf der Straße herumtreiben und auch mit der Polizei zu tun bekommen, sind ganz breit gefächert. Schwierige Familienverhältnisse tragen dazu bei oder sind auch die Ursache. „Manchmal kommt eines zum anderen“, sagt Precht. Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Im Zuhause auf Zeit, Precht spricht von einer Präventionsmaßnahme, soll auch dagegen gesteuert werden, dass Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten. „Beziehungen spielen eine große Rolle“, verweist er auf eine wichtige Funktion des Fachpersonals, das rund um die Uhr in einem Schichtmodell für die Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jahren da sein wird. Auch die Eltern werden einbezogen. Auch sie bekommen laut Precht „Hausaufgaben“ . Das Ziel ist die Familienzusammenführung. „Irgendwann können sie dann wieder nach Hause ziehen, wenn die Schulprobleme behoben sind“, erläutert der Wildfang-Geschäftsführer. In der Einrichtung in Rekum sollen Kinder und Jugendliche, sieben Plätze werden es wohl werden, Unterstützung und Halt bekommen. Es wird Strukturen und Regeln geben. Falls die Jungen nicht zur Schule gehen können, wird es sogenannte Schulersatzmaßnahmen geben, Praktika in Hinblick auf eine Ausbildung gehören auch zu Weiterbildungsmaßnahmen. Es kann aber auch durchaus sein, dass ein Jugendlicher weiter seine alte Schule besucht. Individuelle Lösungen werden für die jeweiligen Schutzbefohlenen gesucht. Dazu gehört auch, bei Bedarf Spezialisten wie Kinder- und Jugendpsychologen dazu zu holen. Wildfang sei nur für das Pädagogische zuständig, so Precht. „Den ganzen Tag durch wird es keine Langeweile geben“, beschreibt er den strukturierten Tagesablauf. Und abends wird Sport gemacht, „damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen“. Er verweist auf die Zusammenarbeit mit Daniel Magei, der unter anderem in Tenever Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen mit seinem Hood-Training (vom Englischen neighborhood für Nachbarschaft) von der Straße geholt hat. Sport statt Prügeleien, Respekt vor anderen, sich selbst und Regeln – das sind die Pfeiler. Für sein Engagement für Kinder und Jugendliche wurde der Sonderpädagoge 2014 von der Deutschen Kindergeldstiftung mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Das Team steht bereit. fI Wir haben die Möglichkeit, sofort anzufangen, aber wir haben nicht den Druck, es zu müssen“, so Precht.